Dieser Lotos steht beim Swimming Pool des Marriott Resort and Spa in Bangkok. Beim Warten aufs Schiff, das mich über den Maenam setzen sollte, bewunderte ich die Blumen um den Swimming Pool. Dabei ging mir noch einmal die Camerière durch den Sinn, von deftiger Khmer-Art, mit scharfem Blick und katzenartig schön, von deren Aussehen und Ausstrahlung ich beim Frühstück so erschlagen war, dass es mir die Stimme verschlug, als sie mir den Kaffee einschenkte. Und da ich sie dann vor lauter Atemlosigkeit nicht in die Kamera zog, wurde halt dann dieses Wassergewächs das Bild des Tages. So was passiert mir nicht mehr! Reaktion bedeutet, eine Frau zu sehen, und sofort zu wissen, wann sie in die Kamera gehört, genau so wie bei einer Blume, die in die Augen sticht. Konstellationen von Blumen können sich wiederholen, drum ist die Dringlichkeit sie aufzunehmen nie so gross wie bei einer einmaligen Erscheinung, wie sie eine Frau ohnehin immer ist.
Trotzdem sei hier auch meine Devotion zur Lotos-Blume gesagt. Ich lernte sie in den Jahren kennen, als ich in einer entlegenen thailändischen Provinz in einer Hütte inmitten von Reisfeldern lebte. In einem nahen Teich gab es haufenweise Lotos, und ich konnte mich einmal nicht halten, in den Schlamm zu steigen und einige der Protze auszureissen und nach Hause zu tragen. Aber sie erschlafften sofort, sobald sie nicht mehr im Wasser standen. Die Blume weigert sich, ihren Ort zu verlassen. Sie verweigert ihre Pracht ausserhalb. Das hat Stil.
Und dann geht mir bei ihrem Anblick auch der Buddha durch den Kopf, der auf die Frage, was seine Lehre sei, nur lächelte und eine Lotosblüte schwenkte. Die Lehre eine Blume! Das muss eine schöne Lehre sein, die sagt, dass das Leben so sein müsse wie der Lotos, der aus dem Dreck ans Licht wächst und sich weit über den Schlamm erhebt, um dort seine Pracht zu entfalten. Was soll mehr dazu gesagt werden?
Dann dieser Hibiscus, mit lüstern ausgestreckten Organen. Im Garten des Cottage in Pattaya aufgenommen. Die Blüte passt gut zu diesem Ort der gelebten Geilheit.
Lotos und Hibiscus: zwei Gegensätze, die für Thailand stehen: Spiritualität und Hedonismus. Beide Pole sind in diesem Land vereint.
Dagegen sind diese Dolden reiner Blümchen-Sex, gefunden in Südsizilen, an irgend einer dreckigen Strasse inmitten Abfalls. Ich war ihr dankbar, dass sie meinen Blick vom Zivilisations-Dreck, Strassenlärm und -staub hinaufzog.
Genau wie dieser Baum, dem ich meine Referenz aussprechen möchte, dass er mir das Warten auf den Bus verkürzte, indem er mir seine verschiedenen Grünfarben hinunterstreckte, im fröhlichen Frühling.
Es braucht nun nicht viel Fantasie, in diesen beiden Pflanzenbildern das barocke Wesen der Italiener zu sehen. Überschwänglich und oberflächlich schön, es fehlt die Reduktion aufs Wesentliche und damit die Kraft.
Ja, Blüten können einen Hang zum Ordinären haben, ohne Zweifel. Dabei zeigt aber die obige einige Rafinesse: man schaue ins Zentrum, und sieht man da nicht ein Ohr, und daneben eine Vulva? Wie raffiniert von ihr! Die Vorstellung des Ohrs bewirkt beim Betrachter Zärtlichkeit, und das Erblicken der Vulva erotische Anziehung. Besser kann Zuwendung nicht sein.
Damit gibt diese Blüte gleich eine Anweisung, wie man eine Frau kennen und schätzen lernen kann. Man imaginiere ihr Ohr, und dann ihr Geschlecht, und dann beides miteinander. Vermutlich wird man mit dieser Übung einen guten Kontakt zu ihr entwickeln.
Ich habe sie auf der Insel im Zentrum der Kykladen, auf Paros, erblickt. Nicht nur sie liess mich hier wohl sein, auch die Entlegenheit der Insel, und die Ruhe hier.
Auch diese Lilien hier auf einem Spaziergang auf Paros gefunden. Sie bewirkt beim Betrachter Faszination, trotzdem bleibt man auf Distanz. Schönheit ist auch zu so was imstande, sie kann auch keusch sein.
Dann diese Mandarine in einem Innenhof des Archäologischen Museums in Athen. Ihr Orange stimuliert den Speichelfluss, bewirkt unmittelbar beim Betrachter das Bedürfnis, ihr Inneres in den Mund zu saugen. Ich löste sie vom Zweig, aber sie entpuppte sie sich als ungeniessbar. Man würde einer solchen Erscheinung etwas Betrügerisches geben. Immerhin aber noch nicht kriminell wie gewisse Vogelbeeren oder kirschenähnliche Früchten an Sträuchern, die die Lust erwecken und dann den Gierigen vergiften. Im letzten Fall ist dann das Betrügerische bereits krimineller Schwindel. Im Gegensatz dazu ist die Mandarine nur ein Schlitzohr, deren Lektion schnell verstanden wird: Nur anschauen, nicht konsumieren! So holt sie sich Respekt.

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